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Vom Rennsieger zum dritten Fahrer: Was ist bei Ricciardo schief gelaufen?

Vom Rennsieger zum dritten Fahrer: Was ist bei Ricciardo schief gelaufen?

23 November - 15:03
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GPblog.com

Daniel Ricciardo ist zurück bei Red Bull Racing. Nach vier Saisons scheint das Gras in anderen Rennställen nicht grüner zu sein und der Australier (mit einem gut gefüllten Bankkonto) kehrt dorthin zurück, wo er seine größten Erfolge feierte. Hier ist ein Rückblick auf die vergangenen vier Jahre fern der Heimat.

Weggang von Red Bull

2018 kündigte Ricciardo das Ende seiner Partnerschaft mit Red Bull Racing an. Nachdem er 2011 bei Toro Rosso sein Debüt für HRT gegeben hatte, erhielt Ricciardo 2012 und 2013 die Chance, zu reifen, bevor er 2014 für gut genug befunden wurde, um seinen Landsmann Mark Webber im ersten Team zu ersetzen. Das erwies sich als Erfolg, denn Ricciardo schlug seinen Teamkollegen Sebastian Vettel in seinem ersten Jahr im Team.

In den folgenden Jahren entwickelte sich Ricciardo zu einem der großen Namen im Sport und 2016 und 2017 gelang es ihm sogar, Max Verstappen in Schach zu halten. Das hat sich 2018 weiter verschlechtert und als das Team beide Fahrer für den Unfall in Aserbaidschan verantwortlich machte, war Ricciardo genervt. Er war der Meinung, dass das Team eher auf Verstappens Seite stand und beschloss, woanders Zuflucht zu suchen.

Der Wechsel zu Renault

2019 kam er für Renault zum Einsatz. An sich eine logische Wahl. Ferrari und Mercedes waren nie ernsthaft auf dem Markt für Ricciardo und so ging Ricciardo zum vierten Team in der Startaufstellung. Als Werksteam hat Renault auch einen Vorteil und Cyril Abitboul tat alles, was er (finanziell) konnte, um Ricciardo als Aushängeschild zu gewinnen.

Es hat funktioniert, denn Ricciardo hat den Sprung gewagt und wurde 2019 das Aushängeschild von Renault. Sportlich gesehen hatte Ricciardo immer noch die Nase vorn, denn er schlug Nico Hülkenberg bereits im ersten Jahr im Qualifying-Duell (14:7) mit einem durchschnittlichen Unterschied von 0,078 Sekunden. Auch in der Punktewertung übertraf Ricciardo seinen Teamkollegen: 54 zu 37 Punkten.

Dennoch war es nicht ganz das Jahr, auf das Ricciardo gehofft hatte, denn Renault fiel als Team auf den fünften Platz in der Gesamtwertung zurück. McLaren, das Ricciardo als Renault-Kunde ebenfalls gewollt hatte, landete sogar noch vor dem französischen Rennstall auf dem vierten Platz. Während McLaren ehrlich zugegeben hatte, dass es in nächster Zeit nicht konkurrenzfähig sein konnte, hatte Renault Ricciardo einen Strich durch die Rechnung gemacht, indem es sagte, es wolle um die ersten drei Plätze kämpfen. Deshalb zog Ricciardo 2019 Renault gegenüber McLaren vor.

Deshalb zögerte Ricciardo keinen Moment, als für 2021 doch noch ein Platz bei McLaren frei wurde. Noch bevor ein Meter im Jahr 2020 gefahren wurde, unterschrieb Ricciardo einen Vertrag mit dem Rivalen. Bei Renault war man geschockt. Man hatte viel in den Fahrer investiert, der nun nach nur einem Jahr beschloss, dass es genug war.

Trotz des früh angekündigten Abgangs war 2020 sportlich kein schlechtes Jahr für Ricciardo. Hülkenberg wurde durch Esteban Ocon ersetzt und mit dem Franzosen hatte es Ricciardo noch leichter. Das Qualifying-Duell gewann er mit 15:2 und einem durchschnittlichen Unterschied von 0,261 Sekunden. Auch in den Punkten war der Unterschied immens: 119 zu 62.

Mit zwei Podiumsplatzierungen gab es auch Highlights mit Renault, die Ricciardo nie vergessen wird. Die Frage ist also, ob der Wechsel klug war. Bei Renault war er der Mann und obwohl er 2020 auch Fünfter bei den Konstrukteuren wurde, war das Potenzial eines Werksteams immer noch vorhanden.

Norris erweist sich als eine Nummer zu groß

Im Hinblick auf 2021 lag der Fokus vor allem auf Daniel Ricciardo. Selbst Fragen an Lando Norris drehten sich um seinen neuen Teamkollegen. Mit sieben Siegen im Rücken und seiner Dominanz bei Renault wurde daher angenommen, dass Ricciardo über Norris siegen würde. Doch der Australier kam nach einem Kaltstart zurück.

Sportlich verbesserte sich Ricciardo, da McLaren 2021 wieder einen Platz vor Renault landete. Mit dem neuen Mercedes-Motor gewann Ricciardo sogar ein Rennen in Italien. Ein Höhepunkt in einer Saison voller Enttäuschungen. Bei McLaren schaffte es Ricciardo 2021 einfach nicht, seinen Teamkollegen zu schlagen. Er verlor das Qualifikationsduell mit 5:15 und einem durchschnittlichen Unterschied von 0,192 Sekunden. Norris sammelte außerdem 45 Punkte mehr als sein erfahrenerer Teamkollege.

Ricciardo und sein Team wiesen auf das Auto hin, das Norris besser kennen und auch besser mögen würde, als Grund für Ricciardos schlechtere Leistung. Das Jahr 2022 bewies jedoch, dass es kein schlechtes Jahr war. Tatsächlich bestätigte Norris in der letzten Saison, dass er über eine ganze Saison bei McLaren besser war, obwohl die Autos mit dem neuen Reglement völlig neu waren. In der Tat wurde der Unterschied nur noch größer. Das Qualifying-Duell entschied der junge Brite mit 20:2 für sich, mit einem durchschnittlichen Unterschied von mehr als drei Zehnteln. Auch Ricciardos 37 Punkte waren im Vergleich zu Norris' 122 sehr wenig.

Trotz eines Vertrags bis 2023 stand Ricciardo für 2023 jedoch ohne Sitz da. McLaren hatte nämlich beschlossen, den Vertrag des Australiers auszukaufen. Er kostete einfach zu viel Geld für die Leistung, die er erbrachte. Im Jahr 2023 wird er durch Oscar Piastri ersetzt. Ein weiterer Australier, den McLaren von Alpine abgeworben hat.

Zurück in der Red Bull Familie

Ricciardo hatte keine Lust auf einen Platz bei Haas und wählt nun einen anderen Weg. Er glaubt nämlich, dass er gut genug für Rennsiege ist und will deshalb bei den Topteams bleiben. Auch wenn es laut Christian Horner keine Aussicht auf einen Rennplatz gibt, wird seine Anwesenheit Druck auf den zweiten Platz von Sergio Perez erzeugen. Wenn der Mexikaner keine Leistung bringt, wird man sich sofort nach Ricciardo umsehen. Bei Red Bull wird man sich dessen ebenfalls bewusst sein.

Mit Verstappen, Perez und Ricciardo hat Red Bull 2023 ein extrem starkes Aufgebot und die Wahl von Ricciardo ist auch verständlich. Der 33-jährige Fahrer schien bei Renault noch gut aufgehoben zu sein, aber vor allem sein Wechsel zu McLaren hat seiner Karriere nicht gut getan. Ricciardos Erfahrung auf der Rennstrecke wird ihm bei der Simulations- und Testarbeit für das Team jedoch zugute kommen.

Für Ricciardo ist es natürlich ein Schritt zurück. Er verließ Red Bull Ende 2018, weil er sich nicht mehr als der Mann im Team fühlte. Jetzt kehrt er vier Jahre später zurück und begnügt sich mit einer Rolle als dritter Fahrer. Das Blatt kann sich in der F1 schnell wenden, also wer weiß, vielleicht ist das auch in Ricciardos Sinne. Red Bull hat in der Vergangenheit schon verrücktere Entscheidungen getroffen, als einen Stammfahrer durch den Reservefahrer zu ersetzen.

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