Hintergrund | Warum Aston Martin F1 ein sehr ereignisreiches Jahr 2024 erwartet

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15. Oktober 2023 ab 12:08
  • Ludo van Denderen

Fernando Alonso hat sich oft als Garant für Unruhe erwiesen. Niemand zweifelt an den außergewöhnlichen Qualitäten des Spaniers, aber mit seinem als lästig empfundenen Verhalten und seinen manchmal ungeschickten Äußerungen ("GP2-Motor!") stand er in seiner langen Karriere regelmäßig im Mittelpunkt von Kontroversen. Bei Aston Martin gibt es das alles nicht. Im Gegenteil: Diesmal sorgt alles und jeder um Alonso herum für Aufregung. Das alles wird zu einem aufregenden Jahr 2024 bei Aston Martin führen.

Für die Außenwelt ist die ganze Diskussion um die Zusammensetzung des Fahrerduos nach (oder vielleicht sogar während) 2024 zweifellos am auffälligsten. Wie lange Alonsos Vertrag laufen wird, ist Gegenstand von Spekulationen, aber es heißt, dass er bis Ende 2024 läuft. Der Spanier hat bereits eine Verlängerung angedeutet, aber er wird dann auch schon über 43 Jahre alt sein. Es wird niemanden überraschen, wenn Alonso seine F1-Rennhandschuhe an den Nagel hängt - zum zweiten Mal. Auf jeden Fall stehen Gespräche über die Zukunft von Aston Martin und dem zweifachen Weltmeister an, die zweifellos für viel Publicity sorgen werden.

Die Zukunft von Lance Stroll?

Lance Stroll weiß bereits, dass das Rampenlicht auf ihn gerichtet ist, obwohl sich der Kanadier normalerweise keine Sorgen um seinen Vertrag machen muss. Vater Lawrence ist einer der Eigentümer von Aston Martin F1 und jeder geht davon aus, dass Stroll Junior bleiben darf, solange der Senior das Sagen hat. Allerdings ist auch niemandem entgangen, dass Lance in den letzten Monaten immer schlechtere Leistungen erbracht hat und (gelinde gesagt) einen ziemlich mürrischen Eindruck gemacht hat. Der FIA Compliance Officer hat ihn bereits am Freitag wegen eines Vorfalls in Katar zur Rede gestellt.

Während andere F1-Teams immer eine nette Pressemitteilung und einige Posts in den sozialen Medien über die Vertragsverlängerung ihrer Fahrer verschicken, passiert das bei Stroll nie. Bald, wenn die Winterpause vorbei ist, wird der Kanadier einfach da sein. Ohne weitere Ankündigung. Denn ja, im Moment geht jeder davon aus, dass Stroll auch in '24 hinter dem Steuer des Aston Martin sitzen wird.

Ob das im Jahr 2025 auch so sein wird? Es könnte sein, dass es nicht so ist. Obwohl Aston Martin das vehement bestreitet, würde ein Wechsel in die World Endurance Championship(WEC) durchaus Sinn machen. Tatsächlich ist die britische Marke ab '25 mit einem Hypercar im Langstreckensport aktiv, und das wäre ein schönes Hintertürchen für Stroll.

Wie wäre es mit einer Übernahme des F1-Programms von Aston Martin?

Wie bereits angedeutet, muss sich Lance, solange Vater Lawrence bei Aston Martin F1 das Sagen hat, keine Sorgen machen, ob er überhaupt in der Formel 1 antreten darf. Es ist nur höchst ungewiss, ob Lawrence Stroll nach August 2024 noch das Sagen haben wird. Das liegt daran, dass die Zhejiang Geely Holding Group - derzeit einer der Anteilseigner des Aston Martin F1-Teams - Gerüchten zufolge die Mehrheit der Anteile haben möchte.

Trotz der Gerüchte aus China, dass Geely so schnell wie möglich den vollständigen Besitz von AMR GP (wie die Holdinggesellschaft offiziell heißt) übernehmen möchte, ist das vertraglich im Prinzip derzeit nicht möglich. Als Force India im August 2018 von einem Konsortium unter der Führung von Lawrence Strulovitch (wie Stroll laut seinem Pass wirklich heißt) übernommen wurde, wurde vereinbart, dass keine der beteiligten Parteien in den ersten fünf Jahren mehr als 25 Prozent der Anteile besitzen darf. Diese Vereinbarung läuft im August 2024 aus. Wenn es einem der Anteilseigner gelingt, sich ab diesem Zeitpunkt mindestens 29,9 Prozent der Anteile zu sichern, ist er verpflichtet, den anderen ein Angebot für ihre Anteile zu machen. Der Preis, der pro Aktie zu zahlen ist, entspricht dem höchsten Preis, der in den letzten 12 Monaten für eine AMR GP-Aktie hinterlegt wurde.

Auf diese Weise könnte einer der derzeitigen Anteilseigner im Jahr 2024 die volle Kontrolle über Aston Martin F1 übernehmen. Wenn die Gerüchte aus China stimmen, will Geely diesen winzigen Anteil von fünf Prozent an sich reißen, um das Übernahmeangebot zu machen. Die große Frage ist, was Stroll tun wird: Will er verkaufen oder wird er im Gegenteil versuchen, sein Aktienportfolio zu erhöhen, um eine (in seinen Augen dann vielleicht feindliche) Übernahme unmöglich zu machen?

So oder so: Auf Aston Martin wartet ein sehr interessantes Jahr in mehreren Bereichen.