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Krieg in der Formel 1: Hat Mohammed Ben Sulayem sein Blatt überreizt?

Krieg in der Formel 1: Hat Mohammed Ben Sulayem sein Blatt überreizt?

24 Januar - 20:28
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GPblog.com

Die Spannungen zwischen der Formel 1 und der FIA nehmen weiter zu. Mit dem Brief der Formel 1 und des Eigentümers Liberty Media an den internationalen Motorsportverband, der knallharte Vorwürfe enthält, scheint es einen kleinen Krieg zwischen den Parteien zu geben. Wie konnte es so weit kommen?

Vor genau einem Tag haben wir an dieser Stelle geschrieben, dass FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem zweifellos nachgedacht hat, bevor er eine Reihe kontroverser Tweets verschickte, in denen er andeutete, dass die Formel 1 zum Verkauf steht. Tatsächlich waren Ben Sulayems Tweets eine Reaktion auf ein angebliches Gebot Saudi-Arabiens für die Formel 1 durch einen Staatsfonds. Zwischen den Zeilen war klar, dass die Formel 1 nicht zum Nulltarif den Besitzer wechseln würde, aber dass ein Verkauf nicht ausgeschlossen war. Zumindest schien Ben Sulayem das so sagen zu wollen.


Ruhe bewahren

Knapp 24 Stunden später sieht es so aus, als hätte Ben Sulayem die Dinge doch nicht so gut durchdacht, bevor er sich in den sozialen Medien äußerte. Die Formel 1 und Liberty Media sind wütend über die Tweets des FIA-Chefs. Es wurde sogar ein offizieller Brief an die FIA geschickt - ein Brief, der offensichtlich den Medien auf allen Seiten zugespielt wurde - in dem die Formel 1 klar und deutlich erklärt, dass der Motorsportverband seinen Mund über alle kommerziellen Angelegenheiten halten soll, die die wichtigste Rennklasse der Welt betreffen.

Der Ton des Briefes ist geradezu explosiv und zeigt, wie gestört das Verhältnis zwischen den Parteien inzwischen ist. Im Mittelpunkt der Kontroverse steht Mohammed Ben Sulayem. Der Emirati ist - im Gegensatz zu seinem geliebten Vorgänger Jean Todt - jemand, der gerne seine Meinung kundtut, am liebsten über Twitter. Vor ein paar Wochen sorgte er für Aufsehen, als er ankündigte, dass die Formel 1 die Tür für neue Teams öffnen würde.

Dies führte zu einem großen Aufschrei im Fahrerlager, obwohl niemand laut sprach. Tatsächlich war der Konsens unter den F1-Teams genau (mit Ausnahme von Alpine), dass zehn Teams im Moment genug sind, und dann sendet der wichtigste Bauer innerhalb der FIA eine ganz andere Botschaft in die Welt.


Mit Andretti nächste Kontroverse

Unmittelbar nach Ben Sulayems Tweets verkündete eine Partei nach der anderen, dass sie sehr gerne in die Formel 1 einsteigen würde, wobei der prominenteste Kandidat Michael Andretti war. Der Amerikaner sah die Worte des FIA-Bosses als Bestätigung, dass er schon bald mit seinen Männern in der Startaufstellung stehen könnte. Kurz darauf präsentierte Andretti sogar General Motors (mit der Marke Cadillac) als neuen Partner, und nach Aussage des Teambesitzers konnte die Formel 1 ihn deshalb nicht ignorieren. Von den Teams blieb es praktisch still, abgesehen von einer gelegentlichen, vorsichtig positiven Nachricht, z. B. von Toto Wolff oder Zak Brown.

Die F1-Teams waren daher überrascht, als Ben Sulayem seinem Unmut über den negativen Empfang, den Andretti und Cadillac angeblich von den Teams erhielten, auf Twitter Luft machte. Wieder einmal haben die Teams in den Medien nicht auf die Worte des FIA-Präsidenten reagiert, obwohl sie innerlich kochten. Dabei ging es nicht um Ben Sulayem, sondern um die Zugangspolitik zum F1-Startfeld. Außerdem sahen die Teams, dass General Motors eigentlich nur ein Sponsor war und kein Hersteller, der den Sport auf die nächste Stufe bringen wollte.


Vorbei mit Sulayem

Nach der jüngsten Serie von Tweets scheint die Formel 1 mit Ben Sulayems Tweets für eine Weile fertig zu sein. Ihm wurde unmissverständlich gesagt, dass er sich nicht mehr in Angelegenheiten einmischen soll, die ihn nichts angehen. Die Teams waren zum Beispiel auch darüber verärgert, dass Ben Sulayem sich zunächst weigerte, mehr Sprintrennen zuzulassen. Kurz gesagt, der Araber hat sich in den mehr als 12 Monaten seiner Amtszeit leicht reizen lassen. Es besteht also eine reelle Chance, dass die Spannungen im Fahrerlager erneut den Siedepunkt erreichen werden. Es wird zweifelsohne eine interessante Saison. Nicht nur auf der Rennstrecke, sondern sicher auch abseits davon.

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